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1.2 Aufbau und Funktion der Glomeruli
Ein Glomerulus besteht aus einer Hülle, der Bowman-
Kapsel, und einem darin befindlichen Gefäßkonvolut.
Die Bowman-Kapsel kann man sich vorstellen
wie einen Ball, durch den ein Wasserschlauch
mit kleinen Löchern hindurchzieht, aus denen etwas
Flüssigkeit heraustropft: Ein Blutgefäß tritt an der
einen Seite in die Bowman-Kapsel ein, bildet ein
Knäuel (mehrere Schleifen und Knoten) und tritt an
der gegenüberliegenden Seite wieder aus (. Abb. 1.2).
Das Blut tritt dabei ein über die zuführende (afferente)
Arteriole, diese verzweigt sich in ein knäuelartiges
Kapillarnetz und vereint sich dann wieder
zur abführenden (efferenten) Arteriole, die das Blut
wieder herausführt.
Im Bereich des Gefäßknäuels wird der Primärharn
filtriert. Das Blut durchströmt die Kapillaren,
die kleine Lücken aufweisen. Ähnlich einem feinen
Teesieb kann etwas Flüssigkeit aus dem Blut durch
die Lücken gelangen und tropft dabei in die umgebende
Bowman-Hülle. Um sicherzustellen, dass
keine größeren Blutbestandteile, z. B. das Albumin,
durch diesen Filter gelangen, liegt den Kapillaren des
Gefäßknäuels von außen eine zweite Lage von Zellen
auf, die sog. Podozyten. Diese liegen so eng beieinander,
dass nur kleine Moleküle hindurchpassen.
Neben diesen beiden mechanischen Filtern sorgt
die in der Basalmembran fixierte negative Ladung
dafür, dass insbesondere Eiweiße, die eigentlich
durch das Filter passen würden, nicht abgefiltert
werden können. Der Cut-off der glomerulären Filtrationsmembran,
d. h. die durch die Molekülgröße
bestimmte Ausschlussgrenze für die Filtration, liegt
bei einem Molekulargewicht von ungefähr 65.000
Dalton und damit im Bereich des Albumins, d. h.
alle Substanzen mit einem geringeren Molekulargewicht
als Albumin können passieren, alle größeren
Moleküle werden zurückgehalten.
Bei Erkrankungen, die mit einer Zerstörung
des glomerulären Filters einhergehen (z. B. Glomerulonephritiden),
wird u. a. Albumin vermehrt
im Primärharn auftauchen. Da die nachgeschalteten
tubulären Strukturen nur eine kleine Menge an
Albumin aufnehmen und in den Körper zurückführen
können, besteht eine Proteinurie. Die einfachste
Methode, eine Albuminurie und damit eine Erkrankung
der Glomeruli nachzuweisen, erfolgt mittels
eines Teststreifens. Ungeachtet der zugrunde liegenden
Erkrankung kann auf diese Weise eine glomeruläre
Beteiligung nachgewiesen werden, z. B. eine
hypertensive oder diabetische Nephropathie.
Das abgepresste Ultrafiltrat (180 l/Tag, das
entspricht dem 60-fachen Plasmavolumen)
wird als Primärharn bezeichnet. Es
enthält keine Blutzellen und entspricht im
Wesentlichen der Zusammensetzung des
Blutplasmas. Bei strukturellen Schäden des
Glomerulus kommt es zu einer Passage des
Albumins, was anhand einer Proteinurie im
Teststreifen leicht nachzuweisen ist.
1.3 Aufbau und Funktion des
Tubulussystems
In den verschiedenen Abschnitten des Tubulussystems
wird der Primärharn weiterverarbeitet. Dabei
wird das Volumen von rund 180 l pro Tag auf das endgültige
Urinvolumen von rund 1,5–2 l pro Tag reduziert.
Daneben werden dem Urin weitestgehend alle “
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